Initiativen gegen Rechts - Opferschutz - Koordination und
Information

1 Mobile Beratungsstellen gegen Rechts - Thema der Bürgerinitiave Zivilcourage für Kamen

Am Donnerstag, dem 7. Februar 2013 beschäftigte sich die Bürgerinitiative Zivilcourage für Kamen mit der Arbeit der
„Mobilen Beratungsstellen gegen Rechts“. Dieter Frohloff vom Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von
Westfalen berichtete über seine Arbeit in der Beratungsstelle Schwerte, aber auch über das bundesweite Netz von
mobilen Beratungsstellen. Er bedauerte die zeitliche Befristung der Finanzierung durch das „Bundesministerium für
Familie, Senioren Frauen und Jugend“ bis Ende des Jahres 2013, die das Aus für die Arbeit der mobilen Beratungs-
stellen gegen Rechts bedeuten könnte. Herr Frohloff berichtete ebenfalls über die Organisation Backup, die Opfern
rechter Gewalt Schutz und vielfältige Beratungsmöglichkeiten bietet. Herr Frohloff wies ebenfalls auf das Informations-
und Dokumentationszentrum für Antirassismus in NRW (IDA) hin, das umfangreiche Hintergrundinformationen zu den
Themen Rechtsextremismus, Rassismus und Migration bereitstellt.

2 Entstehung der mobilen Beratung

Mobile Beratungsstellen gibt es bundesweit. Initiiert und entwickelt wurde das Konzept 1992 von der Ausländerbeauf-
tragten und weiteren Engagierten in Brandenburg nach der Beobachtung von gewaltätigem Rechtsextremismus und
einem latenten Rassismus in Teilen der Bevölkerung. Ab 2001 entstanden Mobile Beratung und Opferberatung in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt und im Jahr 2003 in Hessen. In NRW
wurde die Mobile Beratung mit Förderung des
Bundesprogramms „KOMPETENT FÜR DEMOKRATIE“ von 2008 bis 2010
aufgebaut und von 2011 bis 2013 durch das Programm
„TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN“ fortgeführt.
Es wurden
Beratungsnetzwerke aufgebaut, an denen vor Ort Engagierte der Zivilgesellschaft, Mitglieder von Parteien,
Kirchen und Verbänden beteiligt sind. Sie entwickeln Handlungsstrategien, die auf die spezifischen Probleme und
Gegebenheiten vor Ort ausgerichtet sind. Staatlichen Stellen die Bekämpfung des Rechtsextremismus und Rassismus
allein zu überlassen, reicht nicht. Deshalb fordern Mobile Beratungsstellen auch die Förderung zivilgesellschaftlichen
Engagements.

http://www.politische-bildung.nrw.de/wir/lks/konzept/index.html
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/kinder-und-jugend,did=164674.html

Paper :
"
Zur Diskussion um ein Landesprogramm gegen Rechtsextremismus in NRW
Aus Sicht der Träger der Mobilen Beratung"

3 Arbeit der mobilen Beratung

Die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus unterstützt bei der Aufklärung rechter Aktivitäten vor Ort, hilft dabei,
Strukturen gegen Rechts aufzubauen und vorhandene Initiativen zu beraten. Auch Einzelpersonen können sich bei
rechtsextremistischen Vorfällen oder Bedrohungen an die mobile Beratung wenden.

http://mobile-beratung-nrw.de/

Gefördert werden die Beratungsstellen vom „Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend“ . Das
Förderprogramm läuft mit Ende des Jahres 2013 aus. Ob eine Anschlussförderung erfolgt oder ob andere Träger die
Finanzierung übernehmen, ist ungewiss. Ein Aus oder eine Unterbrechung der Bundesförderung bedeutet z. B. ein Ende
der Mobilen Beratung an Schulen, ein Ende der Hilfe für Betroffene rechter Gewalt, einen Verlust von engagierten und
kompeteten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und leider auch den Verlust von Know-how
.

http://www.toleranz-foerdern-kompetenz-staerken.de/
http://www.kompetent-fuer-demokratie.de/index.html

4 Stellungnahme der Bürgerinitiative Zivilcourage für Kamen zum Stopp der Bundesförderung

Die „Bürgerinitiative Zivilcourage für Kamen“ hält die Arbeit der mobilen Beratungsstellen vor dem Hintergrund wachsen-
der neonazistischer Aktivitäten und der Verbreitung rassistischen Gedankenguts bis in die Mitte der Gesellschaft für un-
verzichtbar, da sie vor Ort Initiativen gegen Rechts kompetent beraten und unterstützen. Auch bei der Präventionsarbeit gegen Neonazismus und bei der Unterstützung zivilgesellschaftlichen Engagements spielen sie eine wichtige Rolle.

Die Bürgerinitiative Zivilcourage hat sich mit einer Stellungnahme zur Beendigung der Finanzierung der Mobilen
Beratungstellen gegen Rechtsextremismus an die Bundesfamilienministerin und die Mitglieder des Bundestages aus
dem Kreis Unna gewandt mit der Forderung, die Finanzierung des Programms „Toleranz fördern, Demokratie stärken“
fortzusetzen. Weitere Bündnisse gegen Rechts im Kreis Unna unterstützen diese Forderung.

Brief an Bundesfamilienministerin und Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Unna :

Bürgerinitiative „Zivilcourage Kamen“,                                              Kamen, den 05. Februar 2013

Bündnis gegen Rechts im Kreis Unna,

Runder Tisch Unna,

Bündnis Schwerte gegen Rechts,

Lüner Aktionskreis gegen Rechtsextremismus

 

Bundesfamilienministerin

Mitglieder des Bundestages aus dem Kreis Unna

 

Stellungnahme zur Beendigung der Finanzierung der Mobilen Beratungsstellen gegen
Rechtsextremismus

Sehr geehrte ...

Seit 2008 gibt es die Mobilen Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus in Köln, Münster,
Schwerte, Vlotho und Wuppertal. Nun droht ihnen das Aus mangels finanzieller Unterstützung
durch das Bundesfamilienministerium.

Diese Beratung ist aber immens wichtig, wenn es darum geht, vor Ort Strukturen gegen den
Rechtsextremismus aufzubauen, Initiativen zu beraten und zu unterstützen. Sie ist Teil der
Prophylaxe gegen den Neonazismus, weil es gilt, schon gegen die ersten Anzeichen, wie Graffiti,
rechte Parolen an Hauswänden, Treffpunkte der Neonazis, Verteilaktionen von Flugblättern und
CDs sowie rechte Konzerte öffentlich anzugehen.

Denn das Wegschauen, Stillehalten und Verharmlosen führen, wie in Dortmund, dazu, dass sich
eine rechte Szene in bestimmten Stadtteilen ausbreitet. So hat die „Zivilcourage“ in Kamen die
Broschüren des Mobilen Beratung an die Gastwirte im Kreis Unna verteilt und ist damit auf gute
Resonanz gestoßen, um zu erreichen, dass keine Säle an rechte Organisationen vermietet werden.
Auch die Aufklärungsarbeit der Mobilen Beratung zu den neusten Emblemen der Neonazis hat
weite Teile der Bevölkerung hier erreicht. Außerdem erhielten wir Argumentationshilfe gegen
die Versuche von „Pro NRW“, Moscheebauten zu verhindern. Der Bundestag hat ausdrücklich
beschlossen, präventive Maßnahmen gegen Rechts zu unterstützen und das ehrenamtliche
Engagement in der Zivilgesellschaft zu stärken.

Wir fordern daher, die Finanzierung des  Programms „Toleranz fördern, Demokratie stärken“
weiterzuführen, um die prophylaktische Arbeit in NRW fortsetzen zu können.

 

Für die Zivilcourage Kamen Ingrid Kollmeier

5 Koordinierung der mobilen Beratung in NRW

Die Landeskoordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus ist angesiedelt bei der Landeszentrale für politische Bildung
Nordrhein-Westfalen. Sie entwickelt in Zusammenarbeit mit den Mobilen Beratungsstellen in Köln, Münster, Schwerte,
Vlotho und Wuppertal Beratungsangebote gegen Rechtsextremismus. Sie ist die Verbindung zwischen der Beratung vor
Ort und der Politik. Sie sammelt Informationen und Handlungsmöglichkeiten, die sie den Partnern vor Ort, Initiativen und
Engagierten der Zivilgesellschaft zur Verfügung stellt.
Eine
Liste der Beratungsstellen, bei denen Betroffene rechtsextremistischer Gewalt Hilfe und Unterstützung bekommen
können, sind unter folgender Adresse zu finden:

http://www.politische-bildung.nrw.de/wir/lks/konzept/index.html
http://www.politische-bildung.nrw.de/wir/lks/index.html

6 BACKUP - Beratung für Neonazi-Opfer

Migranten und Migrantinnen, Linke und Alternative, Jugendliche aus der linken Szene, GewerkschafterInnen, Obdachlose,
Schwule und Lesben werden von gewaltbereiten Rechtsextremisten gezielt ausgesucht und beleidigt, angerempelt,
bedroht oder geschlagen. Betroffene finden Rat und Unterstützung in
BACKUP Beratungsstellen.
Seit 2011 sind zwei BACKUP-Beratungsstellen für Opfer rechtsextremistisch er Gewalt in NRW aufgebaut worden, eine in
Dortmund und eine in Düsseldorf. Sie werden vom Land NRW gefördert.

Eine Liste aller BACKUP Beratungsstellen ist zu finden unter :

http://www.backup-nrw.org/news/mehr-empfindlichkeit-wagen/

Weitere Informationen :

http://www.backup-nrw.org/wer-wir-sind/

„Beratung für junge Opfer rechter Gewalt“ lautet die Schlagzeile eines Artikels im Hellweger Anzeiger vom 8. 2. 2013.

7 EXIT - Aussteigerprogramm für Rechtsradikale

Auch EXIT, das Aussteigerprogramm für Rechtsextremisten steht vor dem Aus, da die Finanzierung durch das
Bundesarbeitsministeriums ausläuft und eine Anschlussfinanzierung nicht geplant ist.
Seit 2000 hat
EXIT nach eigenen Angaben mehr als 480 Personen den Ausstieg aus der rechten Szene ermöglicht.

Weitere Informationen :

http://www.rbb-online.de/nachrichten/politik/2013_02/rechtes_aussteigerprogramm.html

http://www.derwesten.de/politik/exit-aussteigerprogramm-fuer-rechtsextremisten-vor-dem-aus-id7624887.html

8 Weitere Informationen zu den Themen Rechtsextremismus, Rassismus,
Antisemitismus und Migration

8.1 IDA - Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in NRW

Das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismus in NRW stellt Informationen zu den Themen Rassismus,
Rechtsextremismus und Migration zusammen. Es wendet sich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Jugendarbeit
und Schule. IDA NRW bietet auch Fachtagungen und Workshops an.

Weitere Informationen unter :

http://www.ida-nrw.de/

8.2 BIKNETZ

Das „Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend“ erarbeitet mit dem BIKNETZ bis Ende 2014 ein
bundesweites Informationsnetz gegen Rechtsextremismus, das allen Bürgern und Bürgerinnen zur Verfügung stehen soll,
und das sowohl Projekte zur Prävention als auch Beratungsangebote gegen Rechtsextremismus enthalten soll.

Weitere Informationen unter :

http://www.biknetz.de/

8.3 Virtueller Atlas für Neonazi-Taten

Das apabiz (Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin) startet im Frühjahr 2013 die Website
rechtesland.de“. Virtuelle Deutschlandkarten liefern Informationen über Nazi-Gewalttaten und -Strukturen bundesweit.

Das apabiz besteht seit 1991 und informiert, fördert und vernetzt Initiativen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und
Antisemitismus. Es verfügt über ein umfangreiches Archiv, das unter folgender Adresse zu finden ist:

http://www.apabiz.de/

8.4 Information durch lokale ANTIFA-Gruppen

Lokale ANTIFA-Gruppen kennen sich, was rechtsradikale Strukturen und Aktivitäten vor Ort angeht, sehr gut aus.
Wichtige Informationen publizieren sie im Internet.

Diese sind für den Raum Kamen, Dortmund, Unna und Hamm zu finden unter :

http://antifaunion.blogsport.de/

9 Informationsveranstaltungen der VHS Kamen zum Thema Rechtsextremismus
und Rassismus


Montag, 11. März 2013 : Feindbild Islam (20.00 Uhr)
Montag, 18. März 2013 : Rassismus - alltäglich und normal (19.30 Uhr)
Montag, 27. Mai 2013 : NPD-Verbot (19.30 Uhr)


Alle Veranstaltungen finden im VHS-Haus in Kamen statt.

Weitere Informationen : Artikel im Hellweger Anzeiger vom 16. 2. 2013

Presseartikel zu den Themen Rechtsradikalismus und Rassismus
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